Neues im Norden
Neues Gutachten der IHK Nord
Deutschlands Seehäfen: Bund könnte Finanzierungslücke schließen

Der Skandinavienkai in Lübeck-Travemünde. Foto: Guido Kollmeier
Deutschlands Seehäfen stehen an einem Wendepunkt. Während Europa Milliarden in Hafeninfrastruktur investiert, größere Schiffe abgefertigt, Offshore-Windparks errichtet und neue Energie- und Verteidigungslogistik aufgebaut werden, erhalten die fünf Küstenländer vom Bund für die Seehäfen zusammen noch immer lediglich 38,3 Millionen Euro pro Jahr. Das entspricht weniger als dem Investitionsvolumen vieler einzelner Hafenprojekte.
Ein Rechtsgutachten im Auftrag der IHK Nord stellt die verbreitete Annahme infrage, eine stärkere Beteiligung des Bundes an der Finanzierung der Seehäfen sei verfassungsrechtlich kaum möglich. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass der Bund seine Finanzhilfen bereits auf Grundlage des bestehenden Rechtsrahmens erhöhen könnte.
„Deutschland diskutiert über wirtschaftliche Resilienz, Versorgungssicherheit, Energiewende und Verteidigungsfähigkeit. All diese Themen haben einen Nenner: leistungsfähige Seehäfen. Wer die Bedeutung der Häfen betont, muss auch bereit sein, Verantwortung für ihre Finanzierung zu übernehmen“, sagt André Grobien, Vorsitzender der IHK Nord. Über die deutschen Seehäfen werden Rohstoffe, Energie und Waren für Unternehmen in ganz Deutschland importiert und Exporte in die Weltmärkte abgewickelt. Doch obwohl die Häfen für die gesamte Republik arbeiten, tragen die Küstenländer bislang einen Großteil der Lasten für Kaimauern, Hafenbecken, nautische Infrastruktur und Modernisierungsmaßnahmen.
Wie groß die Finanzierungslücke ist, zeigen Zahlen des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe. Demnach beläuft sich der prioritäre Investitionsbedarf in den deutschen Seehäfen auf rund 15 Milliarden Euro. Dem stehen Bundesinvestitionshilfen von lediglich 38,3 Millionen Euro pro Jahr gegenüber. Daher fordern Küstenländer, Verbände und IHK Nord eine dauerhafte Grundfinanzierung der Hafeninfrastruktur durch den Bund in Höhe von 500 Millionen Euro jährlich.
Lesen Sie dazu auch das Interview mit Professor Dr. Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft.
„
Die deutsche Exportnation profitiert jeden Tag von leistungsfähigen Seehäfen. Trotzdem werden die Kosten bis heute überwiegend den Küstenländern überlassen. Dieses Missverhältnis ist längst Realität.
André Grobien
Vorsitzender der IHK Nord, zu einem neuen IHK-Gutachten

Visualisierung des neuen Außenbereichs auf dem Sonnendeck.
Investition von mehr als 25 Millionen Euro
Scandlines baut Schiff in Plug-in-Hybridfähre um
Scandlines baut die Fähre „Schleswig-Holstein“ für 25 Millionen Euro um. Die Umrüstung der Fähre, die auf der Route Puttgarden-Rødby verkehrt, umfasst eine Renovierung der Passagierbereiche sowie die Umrüstung zu einer Plug-in-Hybridfähre. Nach dem Umbau soll die Fähre den größten Teil ihres Energieverbrauchs aus Strom decken, der an Land geladen wurde. Die Decks fünf und sechs erhalten neue Restaurant-, Café- und Shoppingbereiche. Darüber hinaus wird auf dem Sonnendeck ein neuer Außenbereich mit Spielplatz eingerichtet. Der Kostenanteil der Umrüstung auf Plug-in-Hybrid wird vom Bundesministerium für Verkehr unterstützt.
Mobilitäts- und Wohnraumlösungen statt Bürokratie
Kammern lehnen Azubiwerk ab
Die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern in Schleswig-Holstein sprechen sich gegen die geplante Errichtung eines Azubiwerks in der gegenwärtig diskutierten Form aus. Der Referentenentwurf zur Schaffung einer neuen Anstalt des öffentlichen Rechts gehe an der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen vorbei und binde knappe Haushaltsmittel in kostspieligen Verwaltungsstrukturen. Zu diesem Urteil gelangen die Kammern anlässlich der Umfrageergebnisse, an denen sich knapp 4.000 Auszubildende (rund 2.842 aus IHK-Berufen und 1.085 aus dem Handwerk) beteiligt haben. Lesen Sie dazu auch das Editorial von Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck.
Vollständige Meldung und Umfrage: www.ihk.de/sh/azubiwerk-umfrage
Kurz gemeldet
Energiewende: Zuversicht trifft auf Investitionshemmnisse
Die norddeutsche Wirtschaft blickt so positiv auf die Energiewende wie seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig bremsen hohe Energiepreise, fehlende Planungssicherheit und Bürokratie wichtige Investitionen. Das zeigt eine Sonderauswertung des DIHK-Energiewendebarometers für die IHK Nord. Die größten Hindernisse für die Unternehmen bei der Transformation hin zu mehr Klimaschutz bleiben struktureller Natur: 62,9 Prozent nennen Bürokratie als zentrales Hemmnis, 61,7 Prozent kritisieren die fehlende Planbarkeit der Energiepolitik und 49,9 Prozent langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Mehr unter: www.ihk.de/sh/ihknord-energie
Hilfe zur neuen EU-Verpackungsverordnung
Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) bringt für viele Unternehmen erhebliche Herausforderungen mit sich. Auf der Homepage der IHK Schleswig-Holstein finden Unternehmen aktuelle Hinweise und Hintergrundinformationen zu der neuen Verordnung. Der Übersichtstext klärt, welche Akteure von den Änderungen betroffen sind und worauf Unternehmen künftig achten müssen.
Mehr unter: www.ihk.de/sh/ppwr
junge Leute haben Anfang August eine Ausbildung in IHK-Berufen in Schleswig-Holstein begonnen.
Wirtschaft im Norden stabilisiert sich leicht
Die Stimmung in der schleswig-holsteinischen Wirtschaft hellt sich nach dem deutlichen Rückschlag zu Jahresbeginn wieder etwas auf. Der Konjunkturklimaindex steigt im zweiten Quartal 2026 von 83,9 auf 90,6 Punkte. Damit liegt er jedoch weiterhin deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt von 106 Punkten. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen verbessern sich gegenüber dem Vorquartal leicht; insgesamt bleibt die Einschätzung der Unternehmen jedoch verhalten.
Mehr unter: www.ihk.de/sh/konjunktur-2-2026
Köpfe der Wirtschaft

Dr. Gunnar Pietzner
Die Sana Kliniken Lübeck haben mit Dr. Gunnar Pietzner seit Anfang September einen neuen Geschäftsführer. Er übernimmt die Klinikleitung von Angela Bartels. Pietzner ist Diplomkaufmann mit den Schwerpunkten Gesundheitsökonomie, Gesundheitsmanagement sowie Personal- und Organisationsökonomie. Der 51-Jährige war zuletzt Geschäftsführer mehrerer Kliniken in Berlin.

Professor Dr. Jens Scholz
Professor Dr. Jens Scholz, CEO des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), ist mit dem Verdienstorden III. Klasse der Ukraine ausgezeichnet worden. Scholz nahm den Orden für die Hilfsaktion „UKSH hilft Ukraine“ entgegen. Durch die Aktion kamen seit 2022 Medikamente, Medizintechnik und medizinische Hilfsgüter mit mehr als 30 Lkw-Transporten in die Ukraine.

Stefan Vochezer
Die Hansestadt Lübeck hat die künftige Geschäftsführung für die Nordischen Filmtage Lübeck ausgewählt: Stefan Vochezer hat zum 1. September 2026 den Dienst aufgenommen. Nach einer Übergangszeit wird er ab Mai 2027 mit der Künstlerischen Leiterin Hanna Reifgerst das Filmfestival verantworten. Vochezer verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Vermarktung von Kinofilmen und der strategischen Entwicklung des Kinogeschäfts.
Firmenticker
Das Lübecker Start-up fourTaste hat den Sprung in den Einzelhandel geschafft. Seit Ende August ist das sojafreie Bio-Tempeh des Unternehmens in Budni-Filialen erhältlich. fourTaste entwickelt Tempeh aus heimischen Süßlupinen und gelben Erbsen. Anders als andere Tempehprodukte kommt er vollständig ohne Soja aus. Die Aufnahme in das Budni-Sortiment sei für das Unternehmen ein wichtiger Wachstumsschritt. Nach zwei Jahren im B2B-Foodservice mit Kunden aus Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung erfolgte nun der Einstieg in den stationären Einzelhandel.
Mit der Übernahme von aRES Datensysteme durch die RZI Software GmbH wachsen zwei langjährige Partner aus der Infrastrukturbranche zusammen und bündeln ihre Kompetenzen. Die RZI Software GmbH, Anbieter und Entwickler der Softwarefamilie RZI Tiefbau, wolle von dem Know-how von aRES für die Entwicklung von Speziallösungen für die Wasserwirtschaft profitieren. Die RZI Software GmbH ist eine Tochtergesellschaft der IB&T Software GmbH und seit 2005 Teil der IB&T Gruppe mit Sitz in Norderstedt.
Im Rahmen des Projektes „HKR-neu“ hat die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen zusammen mit der Mach GmbH in Lübeck ein Finanzmanagement eingeführt. Seit Juli arbeiten annähernd 12.000 Nutzer in der Berliner Hauptverwaltung und den zwölf Bezirken mit der Software von Mach. Diese unterstützt die Finanzverwaltung etwa bei der Haushaltsplanung und -bewirtschaftung, Buchhaltung, Kosten- und Leistungsrechnung, Anlagenbuchhaltung, Kontokorrent und beim Berichtswesen. Die Software ist über eine Vielzahl von fachlichen Schnittstellen in die IT-Landschaft des Landes Berlin integriert.
Nach einer erfolgreichen Testphase im aja Travemünde wird ein robotergestützter Massageservice fest in das Spa-Angebot des Resorts integriert. Als eine der ersten Ferienhotelgruppen im deutschsprachigen Raum setzt die DSR Hotel Holding damit eine solche Massageanwendung im regulären Hotelbetrieb ein. Das Resort an der Lübecker Bucht dient weiterhin als Pilotstandort für die schrittweise Einführung in weiteren Häusern. Der Massageroboter führt vorab ausgewählte Massageprogramme mit gleichmäßigen und präzisen Bewegungsabläufen aus.

Wirtschaft im Hansebelt – Das Magazin der IHK zu Lübeck
Ausgabe Oktober / November 2026