Interview
Titelthema Transport und Logistik

„Die Bedeutung Norddeutschlands als logistisches Drehkreuz wird zunehmen“

Panattoni entwickelt als einer der weltweit aktivsten Projektentwickler für Industrie-, Logistik- und Gewerbeimmobilien aktuell Projekte in Lübeck und Ahrensburg. Im Interview spricht Fabio Kirchgeßner, Managing Director bei Panattoni Deutschland darüber, wie sich die Anforderungen an Logistikverkehre und Gewerbeflächen mit der kommenden festen Fehmarnbelt-Querung verändern werden.

Herr Kirchgeßner, werden sich die Transportverkehre in Europa durch die kommende Fehmarnbelt-Querung verändern?

Die Fehmarnbelt-Querung wird die wirtschaftliche Vernetzung zwischen Skandinavien und Mitteleuropa deutlich stärken. Kürzere Transportzeiten und effizientere Verkehrswege machen den Nord-Süd-Korridor für Industrie, Handel und Logistik deutlich attraktiver. Wir erwarten, dass die neue Verbindung grenzüberschreitende Warenströme fördert und die Bedeutung Norddeutschlands als logistisches Drehkreuz zunimmt.

Porträt von Fabio Kirchgeßner im blauen Sakko und weißen Hemd im Freien

Fabio Kirchgeßner ist Managing Director von Panattoni Germany. Foto: Panattoni

Was bedeutet das für die Wirtschaftsregion Norddeutschland?

Norddeutschland profitiert bereits heute von seiner Lage an den internationalen Handelsrouten und der Nähe zu den großen Hafenstandorten wie Hamburg und Lübeck. Die Fehmarnbelt-Querung wird diesen Standortvorteil weiter ausbauen und die Region als wichtiges Bindeglied zwischen Skandinavien und Mitteleuropa zusätzlich aufwerten. Wir erwarten, dass sich vor allem Bedarfe von Unternehmen mit grenzüberschreitenden Lieferketten verstärken werden. Für Norddeutschland bedeutet das eine zusätzliche Nachfrage nach flexiblen Logistik- und Gewerbeflächen an gut angebundenen Standorten.

Wird das Interesse an Gewerbeimmobilien zunehmen?

Die Fehmarnbelt-Querung wird die Attraktivität des Hansebelts als Wirtschaftsstandort spürbar steigern. Durch die bessere Anbindung an Skandinavien rückt die Region noch stärker in den Fokus von Unternehmen, die Warenströme zwischen Nord- und Mitteleuropa organisieren. Wir gehen davon aus, dass die Investitionsbereitschaft in Gewerbe-, Industrie- und Logistikflächen entlang der neuen Verkehrsachse weiter steigen wird. Projekte wie die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets Semiramis in Lübeck zeigen, dass viele Akteure bereits heute die Weichen für das erwartete Wachstum stellen. Besonders profitieren werden Standorte, die frühzeitig geeignete Flächen schaffen und ihre Infrastruktur ausbauen. Dann kann die Querung nicht nur zusätzliche Ansiedlungen ermöglichen, sondern auch Wertschöpfung und Beschäftigung in der Region stärken.

Was ist notwendig, damit sich der Hansebelt zu einer zentralen Logistikregion entwickelt?

Damit der Hansebelt nach Fertigstellung der Fehmarnbelt-Querung sein Potenzial voll ausschöpfen kann, sind verlässliche und zügige Genehmigungsverfahren, verfügbare Gewerbe- und Industrieflächen sowie gute Anschlüsse an Straße, Schiene, Häfen und den öffentlichen Nahverkehr notwendig. Hinzu kommen eine leistungsfähige Energieinfrastruktur und eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Wirtschaft und Partnern in Skandinavien.

Um keine Flaschenhälse in der Hinterlandanbindung entstehen zu lassen, ist der konsequente Ausbau der Straßen- und Schieneninfrastruktur von zentraler Bedeutung. Dazu gehören der vierstreifige Ausbau der B 207 zwischen Heiligenhafen-Ost und Puttgarden sowie der idealerweise viergleisige Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lübeck und Bad Schwartau. Zudem müssen geeignete Standorte für Güterumschlag, KV-Terminals, Gleisanschlüsse und Logistik geschaffen werden. Sonst entsteht zwar eine internationale Bahnverbindung, aber keine entsprechende regionale Logistikkapazität.

Bereits heute entwickelt Panattoni in Lübeck und Ahrensburg Immobilienflächen. Was passiert dort genau?

Mit dem Panattoni Park Lübeck Süd sind moderne und nachhaltige Logistikflächen entstanden. Die strategische Lage Lübecks bietet bereits heute optimale Voraussetzungen für nationale und internationale Warenströme. Die Entwicklung eröffnet auch Unternehmen, die bereits in der Region verwurzelt sind, neue Chancen. Für Branchen wie die Lebensmittelindustrie oder Medizintechnik bietet der Park zusätzliche Wachstums- und Expansionsmöglichkeiten. Beispiele wie Dräger zeigen die Bedeutung Lübecks als etablierter Industrie- und Technologiestandort. Darüber hinaus sehen wir Potenzial, weitere internationale Unternehmen für den Standort zu gewinnen. Gerade für skandinavische Unternehmen kann Lübeck eine attraktive Basis für den deutschen Markt und zentraleuropäische Lieferketten sein. Die Ansiedlung von Strandmöllen, einem ursprünglich dänischen Unternehmen, verdeutlicht die sich aus der Region ergebenden Chancen.

Auf dem ehemaligen Prinovis-Gelände in Ahrensburg entwickeln wir bis Anfang 2028 den City Campus Ahrensburg. Das Campus-Konzept verbindet unterschiedliche Nutzerbedürfnisse, indem es zwei Immobilientypen auf einem Areal vereint: einen Panattoni Park mit großformatigen Flächen für Logistik und Light Industrial sowie ein City Dock mit kleinformatigen Flächen für KMU, Gewerbe und Start-ups. Das Angebot richtet sich insbesondere an Unternehmen aus Produktion, Light Industrial, Forschung & Entwicklung sowie innovative Start-ups und mittelständische Betriebe.

Luftaufnahme des Panattoni Parks in Lübeck mit großen Logistikhallen, Parkplätzen und Zufahrtsstraße

Blick auf den Panattoni Park in Lübeck. Foto: Panattoni

Visualisierung aus der Luft: Logistik- und Gewerbehallen mit Solardächern zwischen herbstlichen Bäumen

Visualisierung des zukünftigen City Campus Ahrensburg von Panattoni. Foto: Panattoni

„

Gerade für skandinavische Unternehmen kann Lübeck eine attraktive Basis für den deutschen Markt und zentraleuropäische Lieferketten sein.

Fabio Kirchgeßner
Managing Director von Panattoni Germany

Interview: Benjamin Tietjen · IHK-Redaktion Lübeck · benjamin.tietjen@luebeck.ihk.de

Logo der IHK zu Lübeck

Wirtschaft im Hansebelt – Das Magazin der IHK zu Lübeck

Ausgabe Oktober / November 2026